Interne News

In memoriam Hans Schnell

von Andrea Dreher, Kunsthistorikerin

Sie sind zu schnell gegangen, Hans Schnell, Sie hätten noch ein paar Zeichen setzen müssen.

Sie hätten weiterhin ihre schwarzen Graphitfinger in die Wunden unserer Tage legen sollen.

Wir hätten Ihnen noch ein paar Jahre zugehört.

„Der Tod ist groß. Wir sind die Seinen| lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen | mitten in uns.“

Dieses Rilke-Gedicht ist es, was mir immer in den Kopf schießt, wenn ich vom plötzlichen oder unerwarteten Tod eines Menschen erfahre. Ihr Tod, Herr Schnell, war so einer. Ich erfuhr am Telefon davon, als Titus Koch anrief und mir die traurige Nachricht überbrachte.

Wir beide sind uns nur einmal begegnet, das ist drei Jahre her, es waren ein paar Sätze, die ich über Sie sprach und es war ein Gläschen Wein (oder ein Bier, ich erinnere mich nicht mehr genau) im Anschluss an meine Rede, was uns irgendwie und ganz spontan im Geiste vereinte.

„SCHNELL ZU DREHER – herzlich“ steht in meinem signierten Katalogexemplar und ein paar Tage später erreichte mich ein Umschlag aus München mit einer Karte aus feinem Büttenpapier von Professor Hans Schnell mit „Gute Grüße“.

Was war es, das mich damals so staunen ließ und faszinierte, frage ich mich heute, posthum?

Weiterlesen: Trauerrede HANS SCHNELL, München 16.05.2019

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Tatkraft der Hand, Sehkraft des Auges

Von Gertraud Schottenloher

 

Elisabeth Tomalin, geb. Wallach, Gründungsmitglied des Instituts für Kunst und Therapie, starb am 8. März 2012 in London, GB, einige Monate vor ihrem 100sten Geburtstag. Sie war eine der großen PionierInnen der Kunst- und Gestaltungstherapie in Europa. Kaum jemand hat die Entwicklung dieser Disziplin ab den 50er Jahren im deutschsprachigen Raum so geprägt wie sie, in einer Zeit in der diese Disziplin in Deutschland noch fast gänzlich unbekannt war.

elizatom medium

Am 4. November 1912 in Dresden in einer jüdischen Familie geboren, emigrierte sie während des 3. Reiches erst nach Paris und dann nach London. Es gelang ihr, ihren Eltern zur Flucht zu verhelfen und ihre drei Geschwister konnten Deutschland ebenfalls verlassen. Sie fand in London eine neue Heimat, heiratete und schenkte einer Tochter das Leben. Bis zu ihrem Tod blieb London mit Tochter, Enkeln und Urenkeln ihr Wohnort, von wo aus sie die ganze Welt bereiste, vor allem um zu lehren. Besonders in Deutschland führte sie unzählige Workshops durch.

Elisabeth Tomalin studierte an der berühmten Reimannschule in Berlin Stoffdesign und Textilkunst. Die künstlerische Grundausbildung ermöglichte ihr später in Verbindung mit einer jungianischen Analyse als Gestaltungstherapeutin in Deutschland in einer Klinik zu arbeiten. Auf der ersten Eranos Tagung in Ascona (I) lernte sie C.G. Jung persönlich kennen, eine Begegnung, die sie nachhaltig beeindruckte und ihre Arbeit beeinflusste.

Sie war seit ihrer Kindheit mit Ruth Cohn, der Begründerin der Themenzentrierten Interaktion (TZI), befreundet und erwarb selbst Anfang der 70er Jahre die Graduierung in TZI. Davon angeregt entwickelte und praktizierte sie selbt eine themenzentrierte Gestaltungstherapie, die sie seit den 50er Jahren im deutschsprachigen Raum und in England ausübte und lehrte. Diese noch heute in ihrer Art einzigartige Form der Gestaltungstherapie prägte Generationen von Kunst- und Gestaltungstherapeuten. Elisabeth Tomalin, selbst Künstlerin, bezog das künstlerische und gestalterische Element stark in ihre Arbeit ein. Den Überraschungen in diesem Prozess kommt große Bedeutung zu, das Experimentelle, über die eigenen Grenzen hinausgehende wird gefördert, auch wenn es manchmal zu unbequemen Einsichten führt.

Weiterlesen: Nachruf auf Elisabeth Tomalin

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