Trauma und Strukturdefizit 2021/22

Analytisch-imaginative Psychotherapie bei frühtraumatisierten Patienten

Januar 2021 bis November 2022
mit Dr. Renate Hochauf und Dr. Natascha Unfried

In die Kunsttherapie kommen immer mehr traumatisierte PatientInnen, weshalb systematische und anwendungsbezogene Fortbildungen in diesem Bereich immer notwendiger werden. Bereits zum achten Mal bietet das Institut für Kunst und Therapie München (IKT) ab Januar 2021 eine entsprechende berufsbegleitende Fortbildung an, die sich an PsychotherapeutInnen und KunsttherapeutInnen richtet.

In 6 Modulen, die jeweils Donnerstag/Freitag stattfinden, lernen Sie neben theoretischen Grundlagen und Hintergründen erprobte kunsttherapeutische Methoden, Imaginationsübungen und Interventionstechniken kennen. Die Anwendung wird systematisch anhand von Bildmaterial und eigenen Fallbeispielen trainiert. Renate Hochauf und Natascha Unfried vermitteln diesen Ansatz in unnachahmlicher Weise kompetent, lebendig, anschauliche und praxisnah. Die Fortbildung endet mit einem Zertifikat, das zum kunsttherapeutischen Fachberater in Psychotraumatologie qualifiziert.

Die Diplom-Psychologin Dr. Renate Hochauf und die Ärztin Dr. Natascha Unfried haben ein neues Verfahren der systematischen therapeutischen Bearbeitung früher präverbaler Traumatisierungen entwickelt, das in kreativer Weise Imagination, Psychoanalyse und Psychotraumatologie integriert.

Das neue Verfahren erlaubt erstmals, die psychotraumatologisch-psychotherapeutische Bearbeitung auch frühester vorsprachlicher Traumatisierungen, was bisher so noch nicht möglich war. Eines der Prinzipien ist die Beachtung der Parallelität von Übertragung der traumatischen Beziehungserfahrung und therapeutischer Realbeziehung, wodurch ein konstruierter "Ersatzzwischenraum" entsteht, in dem der regressive Prozess erfolgt. Insbesondere auch bei Kindern hat sich der neue Behandlungs-ansatz in erstaunlicher Weise bewährt. Dieser neue Ansatz ist für die praktische Arbeit des Psychotherapeuten und speziell des Kunsttherapeuten ungemein lehrreich, weil er erlaubt, den traumatischen Störungsanteil in ganz neuer Klarheit zu identifizieren und einer therapeutischen Bearbeitung, auch in Bild und Imagination, zugänglich zu machen.

Die Teilnehmer erhalten bei Besuch aller 6 Module ein Fortbildungszertifikat, das zum kunsttherapeutischen Fachberater in Psychotraumatologie qualifiziert.

Zur Anmeldung laden Sie bitte den »» BEWERBUNGSBOGEN zur Seminarreihe Trauma und Strukturdefizit herunter und schicken Sie ihn ausgefüllt an das Sekretariat des IKT.

Modul  I: Einführungsseminar am 14. und 15. Januar 2021

Spezifik der Traumakompensation bei früh und komplex traumatisierten PatientInnen
Dr. Renate Hochauf und Dr. Natascha Unfried

  • Psychoanalytische Entwicklungskonzepte
  • Ergebnisse der Säuglingsforschung und pränatale Psychologie
  • Neurobiologische Aspekte der kindlichen Entwicklung
  • Psychologische Aspekte der Traumatisierung im Zusammenhang mit Strukturdefiziten
  • Neurobiologische Aspekte der Traumatisierung im Zusammenhang mit Strukturdefiziten
  • Rahmen, Setting und Techniken traumakompensatorischer Interventionsmodelle

Modul II : Übersichtsseminar am 17. und 18. Juni 2021

Übersichtsseminar Prozessüberblick

  • Verarbeitungsbesonderheiten traumatischer gegenüber konfliktbezogenen Erfahrungen
  • Therapeutische Konsequenzen für den Umgang mit Abbildungsmodalitäten und Übertragung
  • Besonderheiten des Einsatzes des Methodenrepertoires („methodisches Handwerkszeug“), Setting und Rahmen bei Traumabearbeitung
  • Differenzielle diagnostische Kriterien zum Einstieg in die Traumaarbeit
  • Kompensationstechniken und „Gute-Orte-Problematik“
  • Besonderheiten der Nutzung von Übertragung und Gegenübertragung in der therapeutischen Einstiegsphase
  • Überblick über einen traumabearbeitenden Gesamtprozess
  • Umgang mit Imagination und Sprache
  • Übungen, Falldarstellungen

Modul III: am 28. und 29. Oktober 2021

Spezifik der Widerstandsbearbeitung, Erarbeitung von Prozessverläufen

  • Introjektcharakter von Übertragungen speziell für Erwachsene vs. Kinder/Jugendliche
  • Widerstandskollussionen in der Traumaarbeit
  • Fokus perzeptiver Beziehungsentkopplung (psychische/neurobiologische Mechanismen)
  • Fokus Rettungsillusion (psychische/neurobiologische Mechanismen)
  • Spezifika der Traumaverknüpfungen bei frühen Traumata (Symbolisierungsaspekte)
  • Spezifisches Interventionsmodell bei Erwachsenen und Kindern/Jugendlichen
  • Integration/Trauerarbeit
  • Die Teilnehmer werden gebeten, eigene Fallbeispiele mitzubringen.

Vertiefungsseminare und Supervision der eigenen Arbeit

Modul IV: am 20. und 21. Januar 2022
Dr. Natascha Unfried
Modul V : am 23. und 24. Juni 2022
Dr. Renate Hochauf
Modul VI: am 10. und 11. November 2022
Dr. Natascha Unfried

In den Modulen IV bis VI sollen an eigenen Fallbeispielen spezifische Schwerpunkte des Trauma
bearbeitenden Prozesses diskutiert werden. Die Veranstaltungen dienen zum einen der Vertiefung der in den vorangegangenen Wochenenden erarbeiteten theoretischen und praktischen Erkenntnissen, zum anderen der Supervision: Die Arbeit an methodischen Details des traumaorientierten Therapieprozesses werden im praktischen Seminarteil anhand konkreter Fallbeispiele der TeilnehmerInnen verdeutlicht und begleitet.

Die Module I bis VI können nur im Block gebucht werden. Die Teilnahme an der Fortbildung setzt klinische Praxis und Anwendungsmöglichkeit voraus.

Zu den Modulen gibt es schriftliches Arbeitsmaterial (Skripten), das jeweils in den Seminaren verteilt wird.
Empfohlene und vertiefende Literatur: Renate Hochauf, „Frühes Trauma und Strukturdefizit - Ein psychoanalytisch-imaginativ orientierter Ansatz zur Bearbeitung früher und komplexer Traumatisierungen“ Kröning, 2007

Dozentinnen:

Dr. phil., Dipl.-Psych. Renate Hochauf Fachpsychologin der Medizin, Psychologische Psychotherapeutin - Psychoanalytikerin, Traumatherapeutin (DIPT), Lehrtherapeutische Dozentin der MGKB, Dozentin des Dt. Institutes für Psychotraumatologie (Prof. Dr. Gottfried Fischer, Köln), Mitglied der ISPPM, akkreditierte Supervisorin der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer (OPK), seit 1996 kontinuierliche Auseinandersetzung und Weiterbildung in der Traumatherapie, Schwerpunkte frühe Störungen (Borderline, frühe Traumatisierungen, Strukturentwicklung, auch prä- und perinatale Entwicklungsspezifika und Traumata).

Dipl. med. Natascha Unfried FÄ für Kinder- und Jugendmedizin, Schwerpunkt Neuropädiatrie, Psychotherapeutin, Traumatherapeutin DIPT Köln. Als Chefärztin des Sozialpädiatrischen Zentrums Chemnitz betreut sie u.a. Kinder u. Jugendliche mit seelischen Behinderungen nach frühkindlichen komplexen Traumatisierungen. Dozentin und Supervisorin des Zentrums für Psychotherapie Chemnitz e.V. (Psychotherapieausbildung von Kinder- und Jugendlichentherapeuten). Dozentin des Deutschen Instituts für Psychotraumatologie Köln e.V.

Kosten:

€ 250.- pro Modul  (gesamt € 1.500,-)
Studierende des IKT und der HfWU Nürtingen zahlen ermäßigt € 230.- pro Modul, das während der Regelstudienzeit stattfindet.
In Härtefällen ist eine Ermäßigung möglich.
Zahlungsmodus und Kontonummer »» BEWERBUNGSBOGEN.

Die Veranstaltungsreihe ist platzbeschränkt.

Seminarzeiten:

Jeweils von Donnerstag 15.00 h bis ca. 21.00 h, Freitag 9.00 h bis ca. 16.00 h
Das entspricht pro Modul 16 Unterrichtsstunden.

Terminüberblick:

Modul I: 14.01. / 15.01.2021
Modul II: 17.06. / 18.06.2021
Modul III: 28.10. / 29.10.2021
Modul IV: 20.01. / 21.01.2022
Modul V: 23.06. / 24.06.2022
Modul VI: 10.11. / 11.11.2022

Anmeldeschluss: Da es sich um eine platzbeschränkte Veranstaltungsreihe handelt, wird eine frühzeitige Anmeldung empfohlen.

Ort: Alle Veranstaltungen finden voraussichtlich in den Seminarräumen des IKT statt

 

Informationen zum Inhalt der Arbeit von Frau Dr. Hochauf und Frau Dr. Unfried:

Grundlinien der "Analytisch-imaginativen Psychotherapie" bei frühtraumatisierten Patienten

Die Erkenntnisse aus der Psychotraumatologie geben wesentliche Einblicke in stressphysiologisch-psychobiologische Aspekte. Bedeutsame theoretische Anregungen für das Struktur- und Entwicklungsverständnis struktureller Defizite lassen sich in den neueren Ergebnissen der Säuglingsforschung und der Pränatalen Psychologie finden. Präverbale Methoden gewinnen an Bedeutung. Dieses methodische Anliegen scheint sich besonders im Abbildungsspektrum imaginativer Qualitäten zwischen bewusstseinsnaher Vorstellung, symbolischer Erfahrungsverdichtung und präsymbolisch-situativer Abbildungsqualität zu verwirklichen.
Die vorgestellten therapeutischen Erfahrungen orientieren sich an einer prinzipiell frühen Genese struktureller Störungen. Ausgehend von den Fähigkeiten des frühen Selbst zu ganzheitlich-amodaler Wahrnehmung, zu Realitätsverankerung und situativ-interpersoneller Erfahrungsspeicherung, werden Spaltungsphänomene als Artefakte traumatischer Einwirkung verstanden. Traumatische Erfahrungen bleiben aus dem Symbolisierungsprozess ausgeschlossen, ihre innere Repräsentation scheint dissoziiert, situativ-konkretistisch und episodisch zu verbleiben. Sie sind durch Triggerreize reaktivierbar, da sie an den zum Trauma gehörigen Stresszustand gekoppelt sind. Sie bleiben im situativen Kontext gefangen und generalisieren sich wie die Ursprungserfahrung. Die diesen Repräsentanzen zugehörigen Übertragungen aus (situativ-traumatischer) Beziehungserfahrung können dann ebenfalls nur präsymbolischer Natur sein. Für sie ist im Rahmen der therapeutischen Interaktion ebenfalls ein Analogieaffekt anzunehmen.


Um ein Arbeitsbündnis zu etablieren, das die Parallelität von Übertragung und therapeutischer Realbeziehung garantieren soll, muss zunächst am quasi symbolischen, kompensatorischen Übertragungsmodus der Identifikation mit dem Aggressor angeknüpft werden. Es entsteht ein konstruierter "Ersatzzwischenraum", in dem der regressive Prozess erfolgt. Die Reaktivierung des Materials, welches der Rekonstruktion dient, erhält über die Rahmenkonstruktion eine im Außen verankerte Zeitachse. Im Laufe der allmählichen situativen Rekonstruktion verstärkt sich parallel zum Fortschreiten der episodischen Rekonstruktion die dazugehörige traumabezogene Übertragungsinteraktion. Je mehr sich der Prozess dem Abschaltpunkt der traumatischen Szene annähert, nehmen die analogen Übertragungen Widerstandscharakter an (Beziehungsabwehr). Ein Herausführen aus dieser Konstellation gelingt über den Versuch einer perzeptiven Bezogenheit von Therapeut und Patient im Jetzt und damit einer Trennung zum perzeptiven Früher im konkreten situativen Kontext. Die Zunahme so entstehender autonomer Selbstanteile des Patienten führen zu einer Kontrasterfahrung, die schmerzliche Erfahrungen des Früher wahrnehmbar werden lassen und Spaltungen lösen. Die zunehmend belebten traumatischen Erfahrungen könnten als beendet erlebt und über intensive Trauerarbeit in das interpersonelle Erfahrungsspektrum integriert werden. So bekommen die traumatischen Beziehungserfahrungen Kontakt zu den übrigen Anteilen der Struktur.

Dr. Dipl.-Psych. Renate Hochauf
Dr. med. Natascha Unfried

 

Kategorie: Ausbildung